Archiv der Kategorie: 18. Jahrhundert II

Johann Ludwig Krebs

18. Jahrhundert II

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts komponieren einzelne von Bachs Söhnen und Schülern bedeutende Orgelmusik, allen voran Johann Ludwig Krebs und Carl Philipp Emanuel Bach. Auch weniger bekannte Komponisten wie Gottfried August Homilius in Leipzig, Michel Corrette in Paris, die Engländern John Stanley und John Alcock, der Spanier Antonio Soler der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schrieben Orgelmusik, die sich bis heute grosser Beliebtheit erfreuen.

Klangbeispiele zur Orgelmusik im 18. Jahrhundert (Krebs, Bachs Söhne und ihre Zeitgenossen)

Deutschland

 

Johann Wilhelm Hertel

Johann Wilhelm Hertel wurde 1727 in Eisenach geboren und starb 1789 in Schwerin. Sein Vater war ein begabter Violinist und Konzertmeister in der Eisenacher Hofkapelle. Der junge Johann Wilhelm begleitete seinen Vater bereits mit 12 Jahren auf dem Cembalo. Er bekam auch eine Ausbildung als Violinist beim berühmten Franz Benda.

Hertel wirkte ab 1744 als Hofkapellmeister in Strelitz und später in Schwerin. Er war bekannt mit vielen Musikern der Berliner Schule, so mit den Brüdern Franz, Georg und Joseph Benda, mit Carl Philipp Emanuel Bach und mit Carl Heinrich Graun.

Kompositionen von Johann Wilhelm Hertel

Hertel komponierte viele Sinfonien, Konzerte, Oratorien, Kantaten, Klavierwerke und Lieder. Da die meisten Kompositionen für die Höfe in Strelitz und Schwerin entstanden, wurden nur wenige Werke zu seinen Lebzeiten gedruckt. Besonders die frühen Werke für Tasteninstrumente wie auch die Sonaten für Oboe oder Flöte können sehr gut auf der Orgel gespielt werden.

Johann Christoph Schmügel

Johann Christoph Schmügel (1727–1798) erhielt seinen ersten Musikunterricht bei seinem Vater, der Organist in Pritzier war. Später studierte er in Hamburg bei Georg Philipp Telemann. Im Jahre 1758 wurde er Organist und Musiklehrer in Lüneburg. 1766 verliess er Lüneburg und wechselte an die St. Nicolai-Kirche in Mölln/Lauenburg. Hier wirkte er ab 1784 auch als Kantor. Schmügel starb im Alter von 71 Jahren an einem Schlaganfall während dem Orgelspiel.

Johann Christoph Schmügel ist ein wichtiger Komponist zwischen Barock und Frühklassik. Sein Stil ähnelt dem seines Lehrers Telemann, durchsetzt mit Elementen des „galanten Stils“. Seine Orgelstücke sind oft in Trioform gehalten, auffallend sind die vielen verschiedenen Tonarten. Unter den 12 überlieferten Stücken sind nur freie Formen zu finden (Ouverture, Präludien, Fugen und Cantabiles), hingegen keine Choralbearbeitungen.

Kompositionen von Johann Christoph Schmügel

Es sind nur wenige Kompositionen erhalten

  • Einige Chorwerke aus der Lüneburger Zeit
  • Eine Weihnachtskantate, 1768
  • Präludien, Fugen und andere Orgelstücke, 1778
  • Sinfonien und Kammermusik für Streicher


event Veranstaltungen mit Musik von Johann Christoph Schmügel

Klangbeispiele

Fuga F-Dur
Cantabile E-Dur

Das Bild zeigt die Orgel in St. Nicolai Mölln, erbaut 1754 bis 1766 durch Christoph Julius Büntin. Das Gehäuse und 5 Register sind bis heute erhalten.

Andrea Luchesi

Andrea Luchesi – auch Lucchesi – (1741-1801) lebte die erste Hälfte seines Lebens in seiner Heimatstadt Motta di Livenza und in Venedig und die zweiten dreissig Jahre in Bonn. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er von seinem älteren Bruder, welcher Organist war. Mit 15 Jahren zog er nach Venedig, wo er u. a. bei Baldassare Galuppi studierte. Der junge Luchesi war in seiner Heimat berühmt als Organist und Komponist für Orgel- und Cembalomusik. Weiterlesen

Josef Seger

Josef Ferdinand Norbert Seger (1716–1782) war ein böhmischer Organist und Komponist. Er besuchte das Jesuitengymnasium und sang in dieser Zeit als Altist in der Prager St.-Jacobi-Kirche. Seger war vermutlich Schüler von Bohuslav Černohorský. Vor seinem Amtsantritt in der Teynkirche wirkte er als Sänger und Violinist in der St.-Martin-Kirche. 1741 wurde er Organist an der Teynkirche und 1745 an der Kreuzherrenkirche. In dieser Zeit unterrichtete er u. a. den jungen Studenten Jan Křtitel Kuchař. 1782 wollte ihm Kaiser Joseph II. die Stelle als Hoforganist in Wien anbieten, Seger starb aber vor dem Erhalt des Angebots.

Josef Seger war einer der fruchtbarsten Orgelkomponisten seiner Zeit. Seine Werke gerieten aber in Vergessenheit und wurden erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Weiterlesen

Carlmann Kolb

Kloster Asbach, Wirkungsort von Carlmann Kolb

Kloster Asbach, Stich von Michael Wenig, 1701–1726

Carlmann Kolb (1703–1765) wurde als Sohn eines Schulmeister in Kösslarn, Niederbayern geboren, sein Taufname war Florian Carl Kolb. Er lebte als Sängerknabe und ab 1723 als Ordensbruder im Benediktinerkloster Asbach/Rottal wo er sich schon während der Studienzeit als Organist bewährte. Nach der Priesterweihe wurde Pater Carlmann Kolb 1729 zum ständigen Organisten des Klosters bestellt. Später wirkte er als Kaplan und Hauslehrer des Grafen von Tattenbach. Weiterlesen

Johann Christian Bach

Johann Christian BachJohann Christian Bach (1735–1782) war der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach, er wurde auch der Mailänder oder Londoner Bach genannt. Als Komponist der Frühklassik hatte er großen Einfluss auf den Stil des jungen Mozart.

Johann Christian gilt als Lieblingssohn seines Vaters und erbte nach dessen Tod drei Pedalklaviere im Wert von je 50 Talern und 38 Taler Bargeld. Nach dem Tod des Vaters zog er nach Berlin zu seinem Halbbruder Carl Philipp Emanuel Bach, der ihn zu einem virtuosen Pianisten ausbildete.  Weiterlesen

Friedrich Wilhelm Marpurg

Friedrich Wilhelm Marpurg

Kupferstich von Friedrich Kauke, 1758

Friedrich Wilhelm Marpurg (1718–1795) war ein deutscher Musiktheoretiker und Komponist. Er genoss eine gute Erziehung und Ausbildung und war bekannt mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts, z. B. mit dem Dichter Gotthold Ephraim Lessing.

Friedrich Wilhelm Marpurg studierte zuerst Jura in Jena und in Halle, später vermutlich auch Philosophie und Musik. Weil er eine Schmähschrift gegen einen Lehrer in Jena verfasste,  musste er ins vorübergehend ins Ausland flüchten. Bei seinen Freunden war er beliebt wegen seinem ausgesprochen galanten Umgang,  schuf sich aber auch Feinde mit seiner scharfzüngigen Polemik. Weiterlesen

Jean-Jacques Beauvarlet-Charpentier

Jean-Jacques_Beauvarlet-Charpentier_1781Jean-Jacques Beauvarlet-Charpentier (1734–1794) war ein französischer Cembalist, Organist und Komponist. Er zählt zu den bedeutendsten Pariser Organisten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Sein Vater war Kaufmann, Organist und Orgelbauer. Etwa 1748 zog die Familie nach Lyon, der Vater gab sein Handelsgeschäft auf und wurde Organist am Hospice de la Charité in Lyon. Im Jahre 1763 übernahm Jean-Jacques Beauvarlet-Charpentier die Nachfolge seines verstorbenen Vaters und spielte auch die Orgel in Konzerten der Académie des beaux-arts in Lyon. Weiterlesen

Amalie von Preussen

Amalie von Preussen

Amalie von Preussen im Alter, Zeichnung von Adolph Menzel

Prinzessin Anna Amalie von Preussen (1723–1787) war eine deutsche Musikerin und die jüngste Schwester Friedrichs des Grossen. Aufgrund ihrer Eigenwilligkeit und ihrer Gesichtszüge sagte man Amalie nach, dass sie von allen Geschwistern ihrem königlichen Bruder am ähnlichsten war. Friedrich der Grosse machte Amalie 1756 zur Äbtissin des weltlichen Stifts Quedlinburg, um seine unverheiratete Schwester standesgemäss zu versorgen. Ihr Stift besuchte sie jedoch eher selten, meist weilte sie in Berlin.

Amalie von Preussen erhielt ca. ab dem 11. Lebensjahr gemeinsam mit ihrer Schwester Ulrike Musikunterricht beim Hoforganisten Gottlieb Hayne. Sie lernte Flöte, Laute, Orgel, Geige und Komposition. Weiterlesen

Christlieb Siegmund Binder

Katholische Hofkirche in Dresden

Die Katholische Hofkirche in Dresden um 1850

Christlieb Siegmund Binder (1723–1789) war ein Schüler Pantaleon Hebenstreits und Virtuose auf dessen „Pantaleon“ (eine Grossform des heutigen Hackbretts). Er wurde 1751 in die Dresdner Hofkapelle aufgenommen. Nach dem Eintritt in die Kapelle wandte Binder sich vom Pantaleon ab und dem Cembalo- und Orgelspiel zu. 1764 wurde Binder zum zweiten Organisten der Hofkirche ernannt, in der die letzte von Gottfried Silbermann gebaute Orgel stand. Gemeinsam mit dem ersten Organisten, Peter August, wurde Binder der wichtigste zeitgenössische Komponist für Claviermusik in Dresden. Auch im bürgerlichen Konzertleben Dresdens traf man Binder an. 1789 starb er als „Kurfürstlicher Kammer- und Kapellorganist“. Weiterlesen