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18. Jahrhundert I

Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts kann als Hochblüte der barocken Orgelmusik bezeichnet werden. In Mitteldeutschland wirkten nebst Johann Sebastian Bach u. a. sein Vetter Johann Gottfried Walther, in Frankreich Louis-Nicolas ClérambaultJean-François Dandrieu und Louis-Claude Daquin.

Klangbeispiele zur Orgelmusik im 18. Jahrhundert  (Bach und seine Zeit)

Deutschland

Frankreich

Pierre Du Mage

Pierre du Mage (1674–1751) wurde in Beauvais geboren, wo sein Vater Organist an der dortigen Kathedrale war. Im Alter von 20 Jahren begab sich du Mage nach Paris, um bei Louis Marchand zu studieren. Dort lernte er auch Nicolas Lebègue kennen, der ihn 1703 für die Stelle des Organisten an der Kollegiatkirche von Saint-Quentin empfahl. 1710 wurde du Mage zum Titularorganisten der Kathedrale von Laon ernannt, jedoch führten Spannungen mit seinen Vorgesetzten im Kirchenkapitel dazu, dass er am 30. März 1719 im Alter von 45 Jahren seinen Dienst quittierte und Verwaltungsbeamter wurde. Bis zu seinem Tod 32 Jahre später betrieb er keine professionelle Musikausübung mehr.

Orgelwerke von Pierre Du Mage

Das Premier livre d’orgue wurde 1708 veröffentlicht. Es ist dem Kirchenkapitel von Saint-Quentin gewidmet und enthält eine Suite du premier ton, die sich aus acht Stücken in den traditionellen französischen Formen – Plein jeu, Fugue, Trio, Tièrce en taille, Basse de Trompette, Récit, Duo und Grand jeu – zusammensetzt. Wie er selbst im kurzen Vorwort der Sammlung anmerkt, orientieren sich diese Stücke am Stil seines früheren Lehrers Marchand.

Das zweite verschollene Buch widmete Du Mage 1712 ebenfalls dem Kapitel der Kathedrale von Laon.

[Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Pierre_du_Mage]

Das Bild zeigt die Orgel der Kathedrale von Laon im originalen Gehäuse von 1700.

Carl Czerny

Carl Czerny (1791–1857) wurde in Wien geboren, er war bereits mit zehn Jahren ein brillanter Pianist, weshalb er Schüler von Ludwig van Beethoven wurde. Er spielte als Zwanzigjähriger den Solopart in der Wiener Erstaufführung von Beethovens 5. Klavierkonzert. Czerny wurde später ein bedeutender Klavierpädagoge, er war u. a. Lehrer von Franz Liszt. Einige seiner Etüdensammlungen werden bis heute im Unterricht verwendet.

Gemessen am Umfang seiner über 1000 Kompositionen spielte die Orgel eine untergeordnete Bedeutung in Czernys Schaffen. Es sind vier Werke mit Orgelmusik überliefert. Sie sind in zwei Bänden im Verlag A-R Editions neu aufgelegt worden.

  • 6 Preludes and Fugues for Organ Op 603
  • Prelude & Fugue for Pedal Organ a-Moll Op 607
  • 12 Voluntaries for the Organ Op 627
  • 20 Short Voluntaries for Pedal Organ Op 698

Das Präludium und die Fuge in a-Moll Op 607 sind in einem spätbarocken Stil komponiert und erinnern an die Präludien und Fugen von Johann Ludwig Krebs. Es ist die umfangreichste Orgelkomposition Czernys. Die anderen Stücke sind kürzer und im frühromantischen Stil gehalten. Ferner sind zwei Werke für Gesang und obligater Orgel bekannt:

  • Graduale for Soprano & Organ Op 662
  • Offertorium, «Salva nos Domine», Bass and Organ Op 812

event Veranstaltungen mit Musik von Carl Czerny

Johann Georg Albrechtsberger

Johann Georg Albrechtsberger

Johann Georg Albrechtsberger (1736–1809) stammte aus Klosterneuburg bei Wien. Mit sieben Jahren wurde er Sängerknabe im Stift Klosterneuburg, mit 13 Jahren kam er als Chorknabe an das Stiftsgymnasium Melk. In dieser Zeit bekam er den ersten Unterricht in Musiktheorie und Orgelspiel. 1753 begann er in Wien Philosophie zu studieren. Dort lernte er Michael Haydn und dessen Bruder Joseph Haydn kennen.

Nach einigen Anstellungen in der Provinz wurde Albrechtsberger 1770 Organist im Wiener Stephansdom und 1771 Chorleiter in der Karmelitenkirche. 1772 berief ihn Kaiser Joseph II. als Zweiten Hoforganisten. Mozart wünschte sich Albrechtsberger als sein Nachfolger als Kapellmeister-Adjunkt am Stephansdom, 1793 übernahm er auch das Amt des Domkapellmeister. Diese Stellung hatte  bis zu seinem Tod inne. Johann Georg Albrechtsberger wurde auf dem Sankt Marxer Friedhof in Wien beigesetzt. Im Jahr 1894 wurde in Wien-Meidling die Albrechtsbergergasse nach ihm benannt. Weiterlesen

Louis-Claude Daquin

Louis-Claude Daquin (1694–1772) war ein virtuoser Pariser Organist und Cembalist der Barockzeit. Er wurde von seiner Patin Élisabeth Jacquet de La Guerre unterrichtet, und trat bereits im Alter von sechs Jahren vor Ludwig XIV. auf. Später wurde Louis Marchand sein Orgellehrer. Im Alter von acht Jahren leitete er in der Sainte-Chapelle die Aufführung einer eigenen Motette Beatus Vir für Chor und Orchester. Mit zwölf Jahren lehnte er das Organistenamt an der Sainte-Chapelle ab und nahm das Angebot im Kloster Le Petit Saint-Antoine an. 1727 wurde er Organist an der Pfarrkirche Saint-Paul, 1732 in der Cordeliers, 1739 in der Chapelle Royale als Nachfolger von Jean-François Dandrieu. Nach dem Tod von Antoine Calvière folgte er diesem 1755 als Organist der Kathedrale Notre Dame de Paris. Daquin galt zu seiner Zeit als ein herausragender Orgelimprovisator seiner Generation. Weiterlesen

Tomaso-Albinoni

Tomaso Albinoni

Tomaso Albinoni (1671–1751) war ein italienischer Komponist und Violinist. Sein Vater Antonio erbte 1684 nach dem Tod seiner Arbeitgeberin deren gesamtes Unternehmen, wodurch die Familie zu beträchtlichem Wohlstand kam. Tomaso Albinoni liess sich zunächst im väterlichen Unternehmen zum Spielkartenhersteller ausbilden und nahm daneben Violin-, Gesangs- und Kompositionsunterricht. 1694 trat er erstmals als Komponist an die Öffentlichkeit, und zwar sowohl mit einer Oper (Zenobia, regina de Palmireni) als auch mit einer Sammlung von Instrumentalwerken (12 Suonate a tre op. 1). Weiterlesen

Johann Wilhelm Hertel

Johann Wilhelm Hertel (1727–1789) stammte aus einer Eisenacher Musikerfamilie. Sein Vater Johann Christian Hertel war Konzertmeister der Eisenacher Hofkapelle und lehrte ihn Violine und Cembalo spielen. Schon im Alter von 12 Jahren begleitete Johann Wilhelm seinen Vater bei Konzertreisen auf dem Cembalo. Nach Abschluss des Gymnasiums erhielt er Violinunterricht beim berühmten Geiger Franz Benda und wurde 1744 Hofkapellmeister in Strelitz und später in Schwerin (Mecklenburg). Johann Wilhelm Hertel hatte regen Austausch mit Carl Philipp Emanuel Bach und weiteren Musikern der Berliner Schule. In den Jahren1759 bis 1760 war Hertel Organist in der Marienkirche in Stralsund, später wurde er zum Hofrat ernannt und gab Musikunterricht am Schweriner Hof. Weiterlesen

Ladegast-Orgel im Merseburger Dom

Georg Friedrich Kauffmann

Georg Friedrich Kauffmann (1679–1735) wurde im thüringischen Ostermondra geboren. Er erhielt ersten Orgelunterricht bei Johann Heinrich Buttstedt in Erfurt und Johann Friedrich Alberti in Merseburg. Er wurde Albertis Nachfolger als sächsisch-merseburgischen Hof- und Domorganist und später Kirchenmusikdirektor und Hofkapellmeister.

Kauffmann war weit über den Merseburger Raum hinaus als Komponist und Orgelsachverständiger bekannt. Seine Musik wurde auch in Halle und Leipzig gespielt.  Weiterlesen

Il Gesù, die Jesuitenkirche in Rom

Domenico Zipoli

Domenico Zipoli (1688–1726) war ein italienischer Komponist und Organist. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er bei den Kapellmeistern der Kathedrale von Prato. Dank finanzieller Unterstützung durch einen Großherzog konnte Zipoli später in Florenz und Rom studieren.

In Rom war Domenico Zipoli bis 1716 Organist an der Jesuitenkirche. Während dieser Zeit komponierte er seine ersten Messen und Oratorien und lernte die Werke Bernardo Pasquinis kennen. 1716 veröffentlichte Zipoli seine Sonate d’Intavolatura per Organo e Cimbalo. Diese Sammlung von Versetten, Canzonen und Suiten erreichte eine grosse Verbreitung. Weiterlesen

Orgel in Jork

Christoph Wolfgang Druckenmüller

Christoph Wolfgang Druckenmüller (1687–1741) stammt aus einer weit verzweigten Organistenfamilie. Sein Grossvater Georg Wolfgang war Schüler von Heinrich Scheidemann in Hamburg, sein Vater Johann Jacob war Organist in Ratzeburg und im ostfriesischen Norden an der berühmten Arp-Schnitger-Orgel. Die Stelle in Norden hatte zuvor Johann Dietrich, ein Onkel von Christoph Wolfgang inne. Auch sein Halbbruder Johann Lorenz war ein bekannter Organist. Weiterlesen

Carlos Seixas

Carlos Seixas

(José Antonio) Carlos de Seixas (1704–1742) war ein portugiesischer Komponist, Organist und Cembalist. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Carlos Seixas mit erst 14 Jahren das Organistenamt an der Dreifaltigkeitskirche in seiner heimatstadt Coimbra. Ab 1720 lebte Seixas in Lissabon, zuerst als Organist in der Kathedrale Santa Maria und später als Vizekapellmeister der Königlichen Kapelle. 1729 wurde er Nachfolger von Domenico Scarlatti, der die Kapelle seit 1719 leitete. Carlos de Seixas blieb bis zu seinem Tod Hofkapellmeister der Königlichen Kapelle. Weiterlesen