Archiv der Kategorie: Epochen der Orgelmusik

Meissner Dom

Johann Gottfried Weiske

Johann Gottfried Weiske (1745–1806) besuchte ab 1761 die Thomanerschule in Leipzig und studierte danach an der dortigen Universität. 1769 kam er als Stellvertreter des Kantors nach Meissen und wurde dort 5 Jahre später Dom- und Stadtkantor.

Weiske war der erste Komponist im deutschsprachigen Raum, der exakte Tempoangaben vorschrieb. Er veröffentlichte dazu eine Abbildung und eine genaue Beschreibung seines «Tactmessers» in Pendelform.

Kompositionen von Johann Gottfried Weiske

Nebst einigen Chorwerken sind sechs Sonaten für Tasteninstrument überliefert, erschienen im Sonat-Verlag.

Vincenzo Petrali

Vincenzo Antonio Petrali (1830–1889) stammte aus einer sehr musikalischen Familie. Der junge Vincenzo konnte bereits als Elfjähriger seinen Vater an der Orgel vertreten und wirkte als Organist an der Chiesa dell’Ospedale und an der Kirche San Benedetto in Crema. Der Domkapellmeister von Cremona, Stefano Pavesi, gab ihm den ersten Kompositionsunterricht. Sein Vater schickte ihn 1846 für ein Jahr an das Mailänder Konservatorium, wo er Klavier und Komposition studierte.

In der Folge wirkte Petrali als Organist Dirigent und Lehrer an verschiedenen Städten Norditaliens: Cremona,  Bergamo, Brescia, Milano. Nach seiner Rückkehr nach Crema 1860 wirkte er hier zwölf Jahre lang als Domkapellmeister und Leiter der dortigen städtischen Blaskapelle, für die er zahlreiche Kompositionen im leichten, populären Stil schrieb und viele Stücke aus italienischen, französischen und deutschen Opern arrangierte. Im Jahr 1868 heiratete er Maria Ottolini, die Tochter des Bürgermeisters von Crema, die bereits 10 Jahre später starb und ihm drei Kinder hinterliess.

Ab 1882 bis 1889 unterrichtete er die Fächer Orgel, Klavier, Harmonielehre und Generalbass am Liceo Musicale Rossini in Pesaro. 1886 kam noch das Fach Banda-Instrumentation hinzu. In dieser Zeit entstanden auch seine späten, überwiegend liturgisch geprägten Orgelwerke. Infolge einer Leber-Erkrankung, die gegen Ende 1888 bemerkbar wurde, beendete er 1889 seine Lehrtätigkeit in Pesaro und kehrte nach Bergamo zurück, wo er im Alter von 59 Jahren starb.

Zu Lebzeiten und längere Zeit danach galt Petrali als überragender Virtuose auf der Orgel und als unerreichter Improvisator auf diesem Instrument, hinzu kam seine Tätigkeit als Dirigent, Chorleiter und Banda-Leiter. Sein musikalischer Stil „an der Schnittstelle zwischen Barock und Romantik“ wurzelte in dem typischen italienischen Belcanto des 19. Jahrhunderts, welcher nicht nur die zeitgenössische Unterhaltungsmusik, sondern auch Petralis geistliche Musik in der ersten Hälfte seiner Schaffenszeit prägte. Mit der beginnenden Cäcilianischen Bewegung vollzog auch er die Hinwendung zu einem strengeren, kontrapunktischen Stil. Dabei fällt auf, dass sich dieser Stil mehr in den langsameren, meditativen Stücken findet, während schnellere Sätze eher im früheren Stil «feierlicher Fröhlichkeit» gehalten sind.

Orgelwerke von Vincenzo Petrali

Petrali komponiert eine grosse Zahl von Orgelwerke, unter anderem

  • 2 Messen
  • 13 Sonaten
  • 25 Versetten
  • Preludien, Ricercari, Toccaten, Adagios und Pastorale
  • 71 Studien für die moderne Orgel

Bartolomeo Franzosini

Bartolomeo Franzosini (1768–1853) stammta aus einer berühmten Familie aus Intra am Lago Maggiore. Nach seinem Universitäts- und Kunststudium wurde er 1793 zum Organisten und Kapellmeister der Basilika von San Vittore in Intra ernannt, wo er bis 1839 blieb. In dieser Funktion und auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt war er ein produktiver Komponist von geistlichen, symphonischen und kammermusikalischen Werken und etablierte sich als der grösste Musiker seiner Zeit in der Region Novara.

Sein Ruhm ging weit über die Grenzen seiner Region hinaus: Er erhielt Aufträge u. a. der einflussreichen Familie Borromeo; einige seiner Werke wurden im Archiv des Mailänder Doms gefunden. Franzosinis Musik geriet für lange Zeit in Vergessenheit; erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden einige seiner Werke wieder aufgelegt.

Franzosini war auch Architekt, er entwarf z. B. die Kirche San Rocco in Solcio di Lesa (Beitragsbild)

Giovanni Battista Candotti

Giovanni (auch Giovan) Battista Candotti (1809–1876) war ein italienischer Komponist und Organist. Der autodidaktische Musiker war Kapellmeister an der Kathedrale von Cividale del Friuli (Udine, Nordostitalien). Er war noch ein Kind, als er von seiner Familie zum Studium in ein Priesterseminar geschickt wurde. Der grosse Fleiss, den er an den Tag legte, und die raschen Fortschritte sowohl in der Theologie als auch in den literarischen Fächern, brachten ihm eine Reihe von Preisen und Anerkennungen ein und ermöglichten es ihm, seine Studien vorzeitig abzuschliessen..

Candotti förderte eine Reform der vokalen Kirchenmusik, indem er Formen der Oper abschaffte, die zu dieser Zeit in den Kirchen Italiens stark verbreitet waren. In seinen Orgelwerken begegnet man trotzdem oft der Rossinischen und opernhaften Einflüsse, die in jenen Jahren sehr in Mode waren.

In der zweiten Periode seines Lebens war Candotti selbst gegenüber seiner eigenen Musik sehr kritisch. Bei der Erstellung seines Werkverzeichnisses vermerkte er neben vielen seiner frühen Werke auch sarkastische Kommentare über die mindere Qualität der frühen Stücke.

Orgelwerke von Giovanni Battista Candotti

Der Verlag Armelin hat 10 Hefte mit Orgelwerken herausgegeben:

  • Opere per Organo, vol. 1: Sinfonie (1-8)
  • Opere per Organo, vol. 2: Sinfonie (9-16)
  • Opere per Organo, vol. 3: Sinfonie (17-25)
  • Opere per Organo, vol. 4: Sonate (Prima Parte)
  • Opere per Organo, vol. 5: Sonate (Seconda Parte)
  • Opere per Organo, vol. 6: Sonate (Terza Parte)
  • Opere per Organo, vol. 7: Pastorali e pezzi per il Natale
  • Opere per Organo, vol. 8: Ultime Composizioni
  • Opere per Organo, vol. 9: Marcie
  • Opere per Organo, vol. 10: Versetti e Altre Composizioni

Karl-Peter Chilla

Karl-Peter Chilla (* 1949) ist ein deutscher Kirchenmusiker, Organist und Komponist. Er studierte evangelische Kirchenmusik in Berlin. Von 1982 bis 2014 wirkte er als Kantor in Dillenburg und als Propsteikantor in der Propstei Nord-Nassau. Er Chorleitung und Hymnologie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.

Im Jahr 2002 erhielt er den Titel Chordirektor BDC der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände. Chilla begründete die Konzertreihe Dillenburger Orgelsommer. Im Jahr 2014 wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Sein letztes Orgelkonzert gab er nach 55 Jahren Konzerttätigkeit im Juli 2019.

 

Philipp Wolfrum

Philipp Wolfrum (1854–1919) wurde in Schwarzenbach am Wald, Oberfranken, geboren. Bereits in jungen Jahren erlernte er das Orgelspiel und vertrat seinen Vater bereits als Neunjähriger an der Orgel. Auch sein jüngerer Bruder Karl wurde Organist und Komponist.

Er studierte ab 1876 als Schüler von Joseph Rheinberger in München. 1878 wurde er Seminarmusiklehrer in Bamberg, 1884 Dozent und 1894 Universitätsmusikdirektor in Heidelberg, wo er 1898 zum Professor ernannt wurde. Wegen einer Nierenerkrankung begab er sich 1919 zu einer Kur nach Samedan (Oberengadin). Er starb an dieser Krankheit und wurde noch in Samedan beigesetzt.

Orgelwerke von Philipp Wolfrum

Wolfrum komponierte überwiegend Orgelmusik, die wichtigsten Werke sind:

  • Sonate in b-Moll op. 1 (Joseph Rheinberger gewidmet) über Choralmelodien (1878)
  • Zweite Sonate in E-Dur op. 10 (1880)
  • Dritte Sonate in f-Moll, op. 14 (1883)
  • 9 Orgelvorspiele zu Kirchenmelodien op. 25 (1887)
  • 6 Orgelvorspiele zu Kirchenmelodien op. 27 (1888)
  • 3 Tondichtungen für Orgel op. 30 (1898)
  • 41 Choralvorspiele (ca. 1885)

Beitragsbild: Gedenktafel für Philipp Wolfrum in der Peterskirche in Heidelberg

Reinhard Ohse

Reinhard Ernst Ohse (* 1930) ist ein deutscher Kirchenmusiker und Komponist. Er studierte Kirchenmusik in Berlin bei Ernst Pepping und danach in Halle. In späteren Jahren nahm er Kompositionsunterricht bei Tilo Medek.

Von 1958 bis 1978 war er Domorganist in Halle und leitete den Chor der evangelischen Studentengemeinde. Ab 1978 bis zur Pensionierung 1996 war er Kantor am Naumburger Dom und leitete die Domkantorei und den Naumburger Kammerchor.

2012 erhielt Reinhard Ohse die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

Ohse schrieb Werke verschiedener Gattungen, z. B. Orgelwerke, Streichquartette und Kammermusik. 1987 entstand die Lettner-Passion für Solo, Chor und Orchester. Diese Passion wurde seitdem in verschiedenen Orten aufgeführt. Seit seiner Pensionierung hat Ohse zahlreiche weitere Kompositionen geschrieben, darunter ein Konzert für Orgel und Orchester, das 2009 im Naumburger Dom uraufgeführt wurde, und den Liederzyklus Kalenderlieder, dessen Texte einem Kalender mit täglichen Gedichten entnommen sind.

Orgelwerke von Reinhard Ohse

  • Op. 35 Totentanz 1970
  • Op. 61 Pedalübung 1976
  • Op. 63 Herzblätter für eine Kleinorgel 1976
  • Op. 66 Kinderlieder für Orgel 1977
  • Op. 77 Musik für Orgelpositiv 1979
  • Op. 112 „Herzliebster Jesu“ Partita in 4 Sätzen 1988
  • Op. 139 „O Heiland, reiß die Himmel auf“ Partita in 7 Sätzen 1997
  • Op. 166 Naumburger Orgelbuch13 Orgelstücke 2006
  • Op. 180 Orgelsonate auf e 2012

s. a. reinhard-ohse.de

Heinz Wehrle

Heinz Wehrle (1921–2012) war ein Schweizer Organist, Cembalist und Jazzmusiker. Von 1950 bis 1990 war er Organist in der Kirche Meilen ZH. Durch seine Frau Anne-Marie kam er mit der Jazzmusik in Kontakt. Im Jahre 1954 wurde er Musikredaktor beim Schweizer Radio und gründete unter anderem die Sendung „Jazz live“, welche insgesamt 111 Mal produziert und gesendet wurde.

Wehrle trat hauptsächlich als Organist auf, selten als Jazzmusiker. Auch als Komponist ist er vor allem mit Orgelwerken bekannt geworden. Er hinterliess ein Anzahl konzertanter und liturgischer Orgelmusik.

Orgelmusik von Heinz Wehrle

  • Zehn Choralvorspiele (Edition Eulenburg 1977)
  • Aria variata (Sinus Musikverlag, 1970)
  • Cri du Ciel (1992 Sinus Musikverlag 1992)
  • Un instant pour O. Messiaen – Omaggio a P. Hindemith (Sinus Musikverlag 1992)
  • Prologue, Action, Epilogue (Sinus Musikverlag 1993)
  • Vier Orgelstücke: Aria variata, Chant de Paix, Son’s d’Orgue, Fanal (Edition Kunzelmann 1987)
  • Zwei Orgelstücke: Le Rideau Divin, Requiem (Edition Kunzelmann 1987)
  • Choralmusik 2 „O Heiland, reiss die Himmel auf“ (Edition Kunzelmann 1987 )
  • Choraltoccata „O Heiland, reiss die Himmel auf“ (Edition Kunzelmann 1987)

 

George Franck

George Franck (ca. 1690–1760) war Benediktinermönch und Organist in der Abtei Münster im Elsass. Das Kloster wurde im ersten Weltkrieg fast vollständig zerstört.

Seine Musik ist im galanten Stil der Frühklassik geschrieben. Franck steht in der Tradition der französischen Cembalisten Couperin und Corrette, orientiert sich aber auch an deutschen Zeitgenossen wie Carl Philipp Emanuel Bach.

Unter dem Titel Pièces choisies et partagées en différents œuvres, accommodées dans le goust moderne pour l’Orgue et le Clavecin sind vier Sonaten überliefert, die sowohl auf der Orgel als auch auf dem Cembalo oder dem Klavier gespielt werden können.

Matthias Nagel

Matthias Nagel

Matthias Nagel (*1958) studierte an der Hochschule für Kirchenmusik Herford und an der Folkwang Hochschule in Essen, wo er 1984 das A-Examen ablegte. Von 1984 bis 2003 wirkte er als Kantor in Düsseldorf-Garath. 2003 bis 2009 war er Kirchenmusikdirektor an der Arbeitsstelle für Gottesdienst und Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen. 2009 wurde er zum Landesposaunenwart in der Evangelischen Kirche im Rheinland berufen. Seit 2011 ist er Dozent für kirchliche Popularmusik an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford.

[Quelle: Wikipedia]

Orgelmusik von Matthias Nagel

Nagel komponiert Orgelmusik im Pop- und Jazz-Stil. Unter anderem veröffentlichte er die Reihe «Special Pipes» im Strube Verlag. Bisher sind 4 Hefte erschienen:

  1. Freie Orgelstücke (Orgel mit Pedal)
  2. Freie Orgelstücke (manualiter)
  3. Advent – Weihnachten
  4. Passion – Ostern

Matthias Nagel komponiert auch Chormusik und Musik für Blechbläser